Snapshot
Problem
Physiotherapie-Seiten sind nach Behandlungsmethoden gegliedert. Patienten kennen aber keine Methoden, nur ihre Schmerzen.
Ziel
Ein Einstieg in der Sprache des Patienten, der ohne Umweg beim passenden Termin endet.
Meine Rolle
Konzept, Informationsarchitektur, Gestaltung und Umsetzung, allein.
Ergebnis
Eine eigene Beschwerden-Ebene mit Filter, davor eine dreistufige Terminstrecke, die mit dem Anliegen beginnt.
Kontext
Eine Physiotherapie-Praxis hat eine Besucherschaft, die kaum eine andere Branche so hat: Menschen mit akuten Schmerzen, Sportler nach einer Verletzung, ältere Patientinnen nach einer Operation. Sehr unterschiedliche Menschen: mit einer Gemeinsamkeit.
Keiner von ihnen weiß, welche Behandlung er braucht. Wer Rückenschmerzen hat, sucht nicht nach „Manueller Therapie“. Er sucht nach Rückenschmerzen.
Praxisseiten sind trotzdem fast immer nach Methoden gegliedert: Manuelle Therapie, Krankengymnastik, Lymphdrainage. Das ist die Sprache der Praxis, nicht die des Patienten. Die Übersetzungsarbeit bleibt am Kranken hängen.
Hinweis zur Einordnung
BALANCE ist ein Konzeptprojekt. Praxis, Team, Bewertungen und Kennzahlen sind erfunden; es gab keinen Auftraggeber und keine Nutzerforschung. Gestaltung, Informationsarchitektur, Umsetzung und die gemessenen Werte sind real.
Die zentrale Entscheidung
Die Seite bekommt eine zweite Navigationsebene: „Beschwerden“ steht gleichberechtigt neben „Leistungen“. Beschwerden sind nach Körperregion und Anlass sortiert (Rücken, Nacken, Sport, Gelenke, Reha nach OP) und jede einzelne nennt die Behandlung, die dazu gehört.
Der Patient betritt die Seite mit seinen Worten. Die Übersetzung in Fachbegriffe übernimmt die Seite.
Gestaltung
Drei Entscheidungen, die alle aus derselben Beobachtung folgen: Diese Seite wird oft von Menschen benutzt, denen etwas weh tut.
Ruhe statt Klinik
Salbeigrün und Ton auf hellem Papierton, eine Serifenschrift für Überschriften. Der Gegenentwurf zum Praxis-Blau-Weiß: nah an dem, was die Praxis verspricht: dass sie sich Zeit nimmt.
Die Geldfrage zuerst
Gesetzlich, privat oder Selbstzahler: drei klare Fälle statt eines Absatzes. Wer nicht weiß, ob er sich das leisten kann, ruft nicht an.
Barrierearm als Inhalt
Ein Teil der Zielgruppe kommt mit Gehhilfe oder nach einer OP. „Ebenerdig & barrierefrei“ ist hier kein Häkchen, sondern eine Aussage, und die Seite selbst ist entsprechend gebaut.
Highlight · Die Terminstrecke
Der übliche Terminbuchungs-Einstieg ist ein Kalender. Das setzt voraus, dass der Patient schon weiß, was gebucht werden soll, und wie lange es dauert. Beides weiß er nicht.
Deshalb beginnt die Strecke hier mit einer anderen Frage.
Schritt 1 fragt nicht „wann“, sondern „worum geht es?“
Sechs Kategorien in Patientensprache, inklusive „Sonstiges / unsicher“: die Option, die in solchen Formularen meistens fehlt und ohne die jemand, der es nicht einordnen kann, an dieser Stelle abbricht. Erst Schritt 2 zeigt Termine und Therapeut:innen, Schritt 3 die Kontaktdaten.
Daneben steht durchgehend die Telefonnummer. Wer lieber spricht, soll nicht durch drei Schritte müssen, um das zu dürfen.
Barrierefreiheit
Bei einer Praxis, die ältere Patientinnen und Menschen nach Operationen behandelt, ist Barrierearmut kein Zusatz, sondern Teil der Aufgabe.
- Sprunglink zum Inhalt als erstes fokussierbares Element
- Die gesamte Terminstrecke ist mit der Tastatur bedienbar, jeder Schritt ist einzeln erreichbar
- Textkontraste durchgehend über den WCAG-AA-Schwellen
- Alle Bilder mit beschreibenden Alternativtexten; dekorative Grafiken ausgeblendet
Ergebnis
Gemessen mit Lighthouse gegen die gebaute Seite, mobil, im privaten Fenster:
76
Performance
100
Barrierefreiheit
100
Best Practices
100
SEO
Largest Contentful Paint 3,9 s · Cumulative Layout Shift 0. Vor dem Umstieg auf ein gebautes Tailwind-Stylesheet stand hier 72 bei 4,1 s; das CDN erzeugte das CSS erst im Browser. Einzelne, saubere Messung, nicht der beste aus mehreren Durchläufen.
Einstieg in Patientensprache
Zehn Beschwerden mit Filter, jede mit der passenden Behandlung verknüpft.
Termin ohne Vorwissen
Drei Schritte, die mit dem Anliegen beginnen statt mit einem Kalender.
Kosten vorab geklärt
Gesetzlich, privat und Selbstzahler getrennt beantwortet, bevor jemand fragen muss.
Gelernt
Die Gliederung ist die eigentliche Gestaltung
An diesem Projekt hat die Entscheidung, eine zweite Navigationsebene aufzumachen, mehr verändert als jede Farb- oder Schriftwahl. Sie kostete keine Zeile zusätzlichen Code, nur die Bereitschaft, die Seite nicht so zu sortieren, wie der Betrieb über sich selbst spricht.
„Unsicher“ ist eine echte Antwort
Die Kategorie „Sonstiges / unsicher“ wirkt wie eine Auffangoption. Tatsächlich ist sie die einzige ehrliche Antwort für jemanden ohne Diagnose, und ohne sie hätte Schritt 1 genau die Leute ausgeschlossen, für die die Seite gedacht ist.
Was ich als Nächstes prüfen würde
Ob „Beschwerden“ als Menüpunkt überhaupt verstanden wird, oder ob eine Formulierung wie „Wobei tut es weh?“ besser trägt. Das ließe sich mit fünf Personen in einer halben Stunde beantworten.
Kurz gefasst
Praxisseiten sind nach den Methoden der Praxis gegliedert, obwohl Patienten nur ihre Beschwerden kennen. BALANCE dreht das um: eine eigene Beschwerden-Ebene übersetzt Schmerz in Behandlung, und die Terminstrecke fragt zuerst nach dem Anliegen, damit der Weg vom Symptom zum Termin ohne Vorwissen funktioniert.
Live ansehen
Die gebaute Praxisseite läuft: die Beschwerden-Filter und die dreistufige Terminstrecke lassen sich dort durchklicken.
Konzeptprojekt: Praxis, Team, Preise und Kontaktdaten sind erfunden.