Fallstudie V · Konzeptprojekt · Gesundheit

BALANCE: eine Praxisseite, die nach Schmerzen sortiert ist, nicht nach Fachbegriffen

RolleUX/UI & Umsetzung, allein
UmfangKomplette Webseite · 6 Seiten
ArtKonzeptprojekt
TechnikHTML · Tailwind · Vanilla JS

Snapshot

Problem

Physiotherapie-Seiten sind nach Behandlungsmethoden gegliedert. Patienten kennen aber keine Methoden, nur ihre Schmerzen.

Ziel

Ein Einstieg in der Sprache des Patienten, der ohne Umweg beim passenden Termin endet.

Meine Rolle

Konzept, Informationsarchitektur, Gestaltung und Umsetzung, allein.

Ergebnis

Eine eigene Beschwerden-Ebene mit Filter, davor eine dreistufige Terminstrecke, die mit dem Anliegen beginnt.

BALANCE Startseite, Kopfbereich mit Behandlungsfoto, Kennzahlen und zwei Handlungsschaltflächen
Der Kopfbereich beantwortet drei Fragen gleichzeitig: was, wie schnell, und wer zahlt

Kontext

Eine Physiotherapie-Praxis hat eine Besucherschaft, die kaum eine andere Branche so hat: Menschen mit akuten Schmerzen, Sportler nach einer Verletzung, ältere Patientinnen nach einer Operation. Sehr unterschiedliche Menschen: mit einer Gemeinsamkeit.

Keiner von ihnen weiß, welche Behandlung er braucht. Wer Rückenschmerzen hat, sucht nicht nach „Manueller Therapie“. Er sucht nach Rückenschmerzen.

Praxisseiten sind trotzdem fast immer nach Methoden gegliedert: Manuelle Therapie, Krankengymnastik, Lymphdrainage. Das ist die Sprache der Praxis, nicht die des Patienten. Die Übersetzungsarbeit bleibt am Kranken hängen.

Hinweis zur Einordnung

BALANCE ist ein Konzeptprojekt. Praxis, Team, Bewertungen und Kennzahlen sind erfunden; es gab keinen Auftraggeber und keine Nutzerforschung. Gestaltung, Informationsarchitektur, Umsetzung und die gemessenen Werte sind real.

Die zentrale Entscheidung

Die Seite bekommt eine zweite Navigationsebene: „Beschwerden“ steht gleichberechtigt neben „Leistungen“. Beschwerden sind nach Körperregion und Anlass sortiert (Rücken, Nacken, Sport, Gelenke, Reha nach OP) und jede einzelne nennt die Behandlung, die dazu gehört.

Der Patient betritt die Seite mit seinen Worten. Die Übersetzung in Fachbegriffe übernimmt die Seite.

Beschwerden-Seite mit Filterleiste und Karten, jede Beschwerde mit zugeordneter Behandlungsmethode
Zehn Beschwerden, fünf Filter, und auf jeder Karte die Methode, nach der niemand gesucht hätte

Gestaltung

Drei Entscheidungen, die alle aus derselben Beobachtung folgen: Diese Seite wird oft von Menschen benutzt, denen etwas weh tut.

Ruhe statt Klinik

Salbeigrün und Ton auf hellem Papierton, eine Serifenschrift für Überschriften. Der Gegenentwurf zum Praxis-Blau-Weiß: nah an dem, was die Praxis verspricht: dass sie sich Zeit nimmt.

Die Geldfrage zuerst

Gesetzlich, privat oder Selbstzahler: drei klare Fälle statt eines Absatzes. Wer nicht weiß, ob er sich das leisten kann, ruft nicht an.

Barrierearm als Inhalt

Ein Teil der Zielgruppe kommt mit Gehhilfe oder nach einer OP. „Ebenerdig & barrierefrei“ ist hier kein Häkchen, sondern eine Aussage, und die Seite selbst ist entsprechend gebaut.

Highlight · Die Terminstrecke

Der übliche Terminbuchungs-Einstieg ist ein Kalender. Das setzt voraus, dass der Patient schon weiß, was gebucht werden soll, und wie lange es dauert. Beides weiß er nicht.

Deshalb beginnt die Strecke hier mit einer anderen Frage.

Schritt 1 fragt nicht „wann“, sondern „worum geht es?“

Sechs Kategorien in Patientensprache, inklusive „Sonstiges / unsicher“: die Option, die in solchen Formularen meistens fehlt und ohne die jemand, der es nicht einordnen kann, an dieser Stelle abbricht. Erst Schritt 2 zeigt Termine und Therapeut:innen, Schritt 3 die Kontaktdaten.

Daneben steht durchgehend die Telefonnummer. Wer lieber spricht, soll nicht durch drei Schritte müssen, um das zu dürfen.

Terminstrecke Schritt 1: sechs Beschwerde-Kategorien zur Auswahl, Fortschrittsanzeige mit drei Punkten
Schritt 1 von 3: das Anliegen, nicht der Kalender
Leistungsseite mit den Behandlungsmethoden der Praxis
Die Methodenseite bleibt, für alle, die mit einer Verordnung kommen und den Fachbegriff schon kennen

Barrierefreiheit

Bei einer Praxis, die ältere Patientinnen und Menschen nach Operationen behandelt, ist Barrierearmut kein Zusatz, sondern Teil der Aufgabe.

  • Sprunglink zum Inhalt als erstes fokussierbares Element
  • Die gesamte Terminstrecke ist mit der Tastatur bedienbar, jeder Schritt ist einzeln erreichbar
  • Textkontraste durchgehend über den WCAG-AA-Schwellen
  • Alle Bilder mit beschreibenden Alternativtexten; dekorative Grafiken ausgeblendet

Ergebnis

Gemessen mit Lighthouse gegen die gebaute Seite, mobil, im privaten Fenster:

76

Performance

100

Barrierefreiheit

100

Best Practices

100

SEO

Largest Contentful Paint 3,9 s · Cumulative Layout Shift 0. Vor dem Umstieg auf ein gebautes Tailwind-Stylesheet stand hier 72 bei 4,1 s; das CDN erzeugte das CSS erst im Browser. Einzelne, saubere Messung, nicht der beste aus mehreren Durchläufen.

Einstieg in Patientensprache

Zehn Beschwerden mit Filter, jede mit der passenden Behandlung verknüpft.

Termin ohne Vorwissen

Drei Schritte, die mit dem Anliegen beginnen statt mit einem Kalender.

Kosten vorab geklärt

Gesetzlich, privat und Selbstzahler getrennt beantwortet, bevor jemand fragen muss.

Gelernt

Die Gliederung ist die eigentliche Gestaltung

An diesem Projekt hat die Entscheidung, eine zweite Navigationsebene aufzumachen, mehr verändert als jede Farb- oder Schriftwahl. Sie kostete keine Zeile zusätzlichen Code, nur die Bereitschaft, die Seite nicht so zu sortieren, wie der Betrieb über sich selbst spricht.

„Unsicher“ ist eine echte Antwort

Die Kategorie „Sonstiges / unsicher“ wirkt wie eine Auffangoption. Tatsächlich ist sie die einzige ehrliche Antwort für jemanden ohne Diagnose, und ohne sie hätte Schritt 1 genau die Leute ausgeschlossen, für die die Seite gedacht ist.

Was ich als Nächstes prüfen würde

Ob „Beschwerden“ als Menüpunkt überhaupt verstanden wird, oder ob eine Formulierung wie „Wobei tut es weh?“ besser trägt. Das ließe sich mit fünf Personen in einer halben Stunde beantworten.

Kurz gefasst

Praxisseiten sind nach den Methoden der Praxis gegliedert, obwohl Patienten nur ihre Beschwerden kennen. BALANCE dreht das um: eine eigene Beschwerden-Ebene übersetzt Schmerz in Behandlung, und die Terminstrecke fragt zuerst nach dem Anliegen, damit der Weg vom Symptom zum Termin ohne Vorwissen funktioniert.

Live ansehen

Die gebaute Praxisseite läuft: die Beschwerden-Filter und die dreistufige Terminstrecke lassen sich dort durchklicken.

Konzeptprojekt: Praxis, Team, Preise und Kontaktdaten sind erfunden.